
Am 19. November 2025 fand das Politische Nachtgebet, zu dem auch der Internationale Versöhnungsbund Österreichischer Zweig eingeladen hatte, in Dornbirn statt. Der Anlass war – wie jedes Jahr – die Weltklimakonferenz, heuer die COP30 in Brasilien.
Prominent unterstützt wurde das Politische Nachtgebet in Vorarlberg von Bischof Erwin Kräutler aus Brasilien:
Freue mich unendlich, dass sich in Vorarlberg etwas tut im Zusammenhang mit COP30, die in unserer Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pará stattfinden wird. Die Verteidigung des Lebensraumes Amazonien ist ein Anliegen des ganzen Planeten.“
Bischof Erwin Kräutler
Eine weitere Inspirationsquelle für das Politisches Nachtgebet war die Botschaft der kontinentalen katholischen Bischofskonferenzen und -räte Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und der Karibik, der „Aufruf für Klimagerechtigkeit und das gemeinsame Haus“. Diese Botschaft ist ein epochales Dokument, das zu ökologischer Umkehr, Transformation und Widerstand gegen Scheinlösungen aufruft. Sie hat auch deshalb großes Gewicht, weil die Bischöfe mit einer Stimme für mehr als eine Milliarde Menschen aus dem arm gemachten Globalen Süden sprechen, das sind mehr als 72 % der Katholiken und Katholikinnen weltweit.
Das Politische Nachtgebet fand in drei Schritten statt:
1) Die Wortgottesfeier, bei der Jesaja 58,6-8 im Zentrum stand: „Nein, ein Fasten, wie ich es haben will, sieht anders aus! Löst die Fesseln der Gefangenen, nehmt das drückende Joch von ihrem Hals, gebt den Misshandelten die Freiheit und macht jeder Unterdrückung ein Ende! Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen.“ Zur gelungenen Gestaltung des Gottesdienstes trug ein Blasinstrumente Ensembles bei.
2) Der Vortrag von der Umwelthistorikerin Prof. Verena Winiwarter zum Thema: „Die schleichende Gewalt: Umweltzerstörung und globale Ungerechtigkeit“. Die Vielschichtigkeit der verschiedenen Gerechtigkeitsbegriffe stand ebenso im Zentrum, wie die Notwendigkeit der – auch von den kontinentalen Bischofskonferenzen geforderten – Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Prof. Winiwarter: „Klimagerechtigkeit ist eine Chiffre für die Notwendigkeit tiefgreifenden Wandels!“
3) Die politische Aktion, denn zur Oratio gehört, wie die Rückseite einer Medaille, die Actio. Im Rahmen einer Mahnwache zum Klimanotstand wurde auf dem Dornbirner Marktplatz ein Appell an die Vorarlberger Landesregierung und an alle Menschen in Vorarlberg verlesen.
Darin wird die Landesregierung aufgefordert: „Gestalten Sie das Wirtschaftssystem zu einem regenerativen Modell um, das das Wohlergehen der Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Leben auf unserem Planeten sicherstellt.“ Weitere
Forderungen an die Politik sind die Konsumwende, die Energiewende und die Mobilitätswende. Alle Menschen Vorarlbergs werden zu einer Transformation ihrer Lebensstile aufgerufen, hin zu einer zukunftstauglichen, gemeinwohlorientierten Lebensweise für alle Menschen, auch für kommende Generationen.
Hubert Feurstein, November 2025
