Drei Tage Friedenswandern im nördlichen Waldviertel und in Südböhmen

Angesichts der weltpolitischen Lage könnte man verzweifeln. Aber gerade jetzt dürfen wir nicht mutlos aufgeben. Um unser Engagement zu stärken organisierte der Internationale Versöhnungsbund gemeinsam mit dem Verein Weg des Friendens von 12.-14. Juni 2026 Wanderungen auf drei Friedenswegen in und um Weitra.

Die „Friedenswege Waldviertel – Südböhmen“ sind ein Zusammenschluss von sieben Friedenswegen, die vom Waldviertler Verein „Weg des Friedens“ gemeinsam mit der südböhmischen Tourismusregion Novohradsko – Doudlebsko in der Grenzregion angelegt wurden. Die Friedenswege repräsentieren unterschiedliche Themen wie das Gedenken an die ehemalige jüdische Bevölkerung, die zwangsweise Aussiedlung der deutschsprachigen Bevölkerung nach dem 2. Weltkrieg, den „Eisernen Vorhang“, die Menschenrechte, die Humanität und die „Gerechten unter den Völkern“. (https://www.wegdesfriedens.eu/friedenswege/)

Vor allem geht es aber um Menschen, um ihre Lebensgeschichten und um ihr Schicksal. Kirchen, Kapellen und Rastplätze am Weg laden mit spirituellen Impulsen zum Innehalten ein. Die Friedenswege sind „Wanderungen und Radtouren mit Tiefgang“, eingebettet in eine wunderbare Landschaft.

Erster Tag: Maria und Ludwig Knapp Friedensweg

Trotz Regens versammelten sich 13 Wandernde in Schützenberg 13. Hier besaßen Maria und Ludwig Knapp ein Sägewerk. Während der NS-Zeit bekamen sie französische Kriegsgefangene und jüdische Familien zur Zwangsarbeit zugeteilt. Maria und Ludwig Knapp versorgten ihre Arbeiter und Arbeiterinnen mit dem Lebensnotwendigen und ermöglichten ihnen ein menschenwürdiges Leben. Als die jüdischen Zwangsarbeiter*innen Mitte April 1945 deportiert werden sollten, wurden sie vom Ehepaar Knapp versteckt und so retteten sie 26 Menschen das Leben. Die Namen des Ehepaars Knapp sind auf der Tafel der Gerechten in Yad Vashem aufgelistet.

Die Wanderung führte durch den Naturpark Gabrielental entlang der Lainsitz ca. 4 km nach Weitra. Auf dem Weg beschäftigten wir uns mit dem Thema MUT. Was ist Mut? Wann bin ich mutig gewesen? Was braucht es um mutig sein zu können?

Vortrag „Granaten, Geld, Gewaltverbot“ und Podiumsgespräch

Am Abend stand eine öffentliche Veranstaltung im Rathaus von Weitra auf dem Programm. Thomas Roithner, Friedensforscher und Mitarbeiter im Versöhnungsbund, sprach über „(Ab-)Rüstung in Österreich, der Europäischen Union und weltweit“ und informierte über die aktuellen Zahlen zu Militärbudgets, die weltweite Aufrüstung und die zu Grunde liegenden politischen Entwicklungen. 2,5 Billionen Euro wurden 2025 laut SIPRI-Bericht für Rüstung ausgegeben, mit etwa 20% dieser Summe könnten bis 2030 der Hunger weltweit beseitigt und wirksame Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe im globalen Süden umgesetzt werden. Abschließend ging der Referent auf sieben Ansätze ein, wie Abrüstung wieder an Bedeutung gewinnen könnte, u.a. durch ein anderes Verständnis von Sicherheit, die Stärkung von Abrüstungsverträgen (z.B. Atomwaffenverbot) oder die Förderung von nicht-militärischen Instrumenten einer aktiven Friedenspolitik.

Im anschließenden Podiumsgespräch gingen Vertreter*innen von vier regionalen und österreichischen Friedensinitiativen (Weg des Friedens, Bertha von Suttner-Friedensakademie, Pax Christi und Versöhnungsbund) der Frage nach, was gewaltfreie Initiativen konkret zu einem friedlichen Zusammenleben beitragen können: im persönlichen Umfeld, in der Gemeinde, der Gesellschaft und auf politischer Ebene.

Zweiter Tag: Friedensweg der Versöhnung

Der zweite Tag begann mit einem Regenschauer, aber danach Sonne und Wind. Die Wandergruppe folgte dem Weg der Versöhnung von Kautzen zur alten Holzkapelle in Radschin, über die Wasserscheide und zum Friedenskreuz, wo der Weg über die Grenze zum ehemaligen Dorf Romava/Romau führt. Die nächsten Stationen waren das Heimatmuseum in Reingers und die Kapelle. Mit dem Auto fuhren wir danach nach Staré Město/Altstadt in Tschechien, besuchten den jüdischen Friedhof und Schloss Dobrohoř/Ebergersch, das eine interessante Kunstausstellung bietet.

Der „Friedensweg der Versöhnung“ leitet sich von der seit dem Jahr 2007 jährlich stattfindenden tschechisch-österreichischen Versöhnungswallfahrt ab. Die Initiative dazu geht auf ein Prager Gymnasium zurück, das mit seinen Schülern und Schülerinnen eine Wanderung entlang der Grenze machte. Sie wollten ein Zeichen der Versöhnung setzen. Nun findet jährlich die gemeinsame Wallfahrt statt, organisiert von der Přírodní škola (Naturschule) aus Prag, von Patres aus dem Karmeliterkloster bei Dačice und dem katholischen Bildungswerk Kautzen. Tschechische und österreichische Staatsbürger*innen treffen sich beim Friedenskreuz an der Grenze, gehen singend und betend in das ehemalige Dorf Romava/Romau und feiern an der Stelle, wo einst die Kapelle stand, gemeinsam Gottesdienst. Am 28. Mai 1945 wurde die deutschsprachige Bevölkerung des Dorfes vertrieben. Eine Zeitlang war es noch bewohnt, bevor es wegen der Grenznähe zerstört wurde.

Dritter Tag: Friedensweg der Humanität

Eine Gruppe von 12 Personen machte sich am Sonntag auf den Weg nach Chvalkov in Tschechien, ca. 30 km nordwestlich von Weitra.

Der „Friedensweg der Menschlichkeit“ befindet sich in der Gemeinde Trhové Sviny und beginnt an der Bushaltestelle in Chvalkov. Der 7,8 km lange Rundwanderweg besteht aus neun Stationen, von denen acht wichtigen Persönlichkeiten des Humanismus gewidmet sind.

Das Besondere dieses Weges ist die Verbindung von Wandern, Natur und Ruhe mit Menschen, die ein Zeugnis geben für Mitgefühl, Toleranz und ein friedliches Zusammenleben. Informationstafeln zu Romain Rolland, Lev Nikolajevitsch Tolstoj, Mahatma Gandhi, Bertha von Suttner, Dalai Lama, Konrad Lorenz, Albert Schweitzer und Josef Vavrousek sollen uns zeigen, welche Möglichkeiten Menschen haben sich für ein besseres Miteinander und ein friedliches Zusammenleben einzusetzen.

Abschluss der dreitägigen Wanderungen war ein Besuch in der Wallfahrtskirche Dobra Voda und der Friedensglocke. Der Beginn der Besiedlung war mit der Entdeckung einer Heilquelle um die Mitte des 16. Jahrhunderts verbunden. In den Jahren 1945-1946 wurden die deutschen Einwohner*innen von hier ausgesiedelt und es ließen sich heimkehrende slowakische Emigrant*innen aus Ungarn und Rumänien nieder. In den Jahren 1950-1957 lag diese Region im verbotenen Grenzgebiet. In der alten Ortschaft Hojná Voda / Heilwasser ist eine Friedensglocke zur Erinnerung an diese Ereignisse aufgestellt.

Ein besonderer Dank geht an Heinz Spindler, Gründer des „Vereins Weg des Friedens“, für die hervorragende Organisation und inhaltliche Gestaltung, sowie an Engelbert Pöcksteiner für die Begleitung am zweiten Tag.

Beitrag verfasst von
Gerlinde Hämmerle